Es ist viel passiert - aber noch nicht alles erreicht

Auf der Hamburger Frauenwoche 1982 begegneten sich sechs Frauen auf einer Veranstaltung mit dem Titel "Feministische Mädchenarbeit“. Schnell war die Notwendigkeit der Koordination von Mädchenarbeit im Hamburger Raum erkannt. Zentraler Gedanke war hierbei, die Position der feministischen Mädchenarbeit in der pädagogischen Fachwelt zu stärken. Zu diesem Zwecke standen die Vernetzung, das Formulieren gemeinsamer Forderungen, sowie die gemeinsame Fortbildung im Mittelpunkt. Um die gemeinsamen Ziele mit mehr Nachdruck zu erreichen, wurde der Verein „Dolle Deerns e.V. –Verein zur Förderung feministischer Mädchenarbeit“ im Juli 1983 gegründet.

 

Durch die finanzielle Förderung des Senates seit Mai 1987 konnte die Arbeit an den drei Schwerpunkten abgesichert werden: Sexueller Missbrauch an Mädchen und Frauen; Koordination, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu feministischer Mädchenarbeit; sowie Berufsfindung und die Ausbildungssituation von Mädchen. Im gleichen Jahr öffnete der erste Mädchentreff Hamburgs in Kirchdorf-Süd seine Türen und tut dies auch heute, nach 31 Jahren, weiterhin täglich. Ihm sollten hamburgweit noch vier weitere in der Sternschanze, Neu-Allermöhe, Lohbrügge und Harburg folgen. Schon 1984 wurde das Ziel, eine ständige Anlaufstelle für Mädchen, die Beratung zum Thema sexuelle Gewalt suchten, realisiert. Diese existiert ebenfalls heute als etablierte Beratungseinrichtung weiterhin und übernimmt wichtige Aufgaben in der Beratung, der Aufklärung über sowie der Unterstützung bei sexueller Gewalt, sexuellem Missbrauch.

 

Ein Verein mit einer nun mehr 35 Jährigen Geschichte hat so manche Veränderung in der sozialen, politischen und gesellschaftlichen Landschaft erlebt. So blicken wir sowohl auf strukturelle, inhaltliche und personelle Veränderungsprozesse zurück. Unser Ziel war es hierbei immer, im gesellschaftlichen Prozess eine teilnehmende Akteurin zu sein und sich Offenheit und Tatendrang für Veränderungen und Entwicklungen zu erhalten.

 

Mit diesem Ansatz reagierten wir zu Anfang des neuen Jahrtausends auf finanzielle Einschnitte, die eine Neustrukturierung durch den Wegfall der Koordinierungsstelle nach sich zog. Mit gleichem Tatendrang und Willen etwas zu bewegen begegneten der Verein und seine Mitarbeiterinnen aber auch den neuen Herausforderungen, die die Situation der geflüchteten Menschen ab 2015 mit sich brachte. Zusätzliche Stellen, eine psychologische Beratung, zwei Projekte zur Aufsuchenden Sozialarbeit in den Erstaufnahmen und viele gezielte Kurse und Programme wurden auf den Weg gebracht.

 

In unserer täglichen Arbeit mit den Mädchen und jungen Frauen sehen wir, wie notwendig unsere Arbeit auch heute ist. Es ist viel passiert aber noch nicht alles erreicht. Und so freuen wir uns, dass wir uns heute in einem Netzwerk regionaler und überregionaler Kooperationspartner gut aufgestellt fühlen, um auch in Zukunft die Positionen feministischer Mädchenarbeit mit Nachdruck vertreten zu können.